Illustration High-Level Planung

Warum frühe Detailplanung im Portfoliomanagement scheitert

Im dritten Teil unserer fünfteiligen Serie zur Portfolioplanung mit Jira-Daten zeigen wir, warum durch eine verfrühte Detailplanung Pläne entstehen, die schon vor Projektstart veraltet sind.

6 min Lesedauer

In den bisherigen Beiträgen dieser Serie haben wir zwei typische Fallstricke der PortfolioplanungPortfolioplanungPortfolioplanung ist der Prozess, bei dem Unternehmen entscheiden, welche Projekte sie durchführen wollen. Dabei wird sichergestellt, dass diese Projekte zu den Zielen des Unternehmens passen und die verfügbaren Ressourcen wie… mit Jira-Daten beleuchtet:

  1. Portfolioentscheidungen rein auf Basis von Reporting-Daten zu treffen
  2. Prioritäten zu setzen, ohne vorher die tatsächliche Kapazität zu prüfen

Die dritte Falle besteht darin, zu früh zu viele Details anzufordern.

In der Praxis bedeutet das: Führungskräfte erwarten von ihren Teams Pläne, die bis auf Aufgabenebene ausgearbeitet sind – und das, noch bevor klar ist, ob die InitiativeInitiativeSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. überhaupt umgesetzt wird, wann sie starten soll oder wie sie strategisch gegenüber anderen Projekten gewichtet wird.

Auf den ersten Blick scheint die Forderung nach mehr Details sinnvoll. Um eine Initiative mit dem bestehenden Portfolio abgleichen zu können, braucht die Führungsebene belastbare Informationen. Dazu gehören eine grobe Zeitplanung, erste Kostenschätzungen, zentrale Abhängigkeiten, der Kapazitätsbedarf der Teams und idealerweise auch eine erste Aufschlüsselung in Jira. Es wird also nach ausreichend Kontext gesucht, um Optionen zu vergleichen, bevor Budget und RessourcenRessourceRessourcen sind alle materiellen und immateriellen Mittel, die zur Erreichung eines Ziels benötigt werden. Die wichtigste Ressource: natürlich die Mitarbeiter! freigegeben werden.

Doch auf der Portfolioebene bewirkt zu viel Detail in einer frühen Phase oft das Gegenteil: Vage Vorhaben wirken plötzlich sicherer und verbindlicher, als sie tatsächlich sind.

Details vermitteln die Illusion von Kontrolle

Unsicherheit führt schnell dazu, dass nach mehr Informationen verlangt wird: Was genau muss getan werden? Wie lange dauert es? Welche Teams sind wie viele Sprints beteiligt? Welche Epics sind betroffen? Welche Abhängigkeiten bestehen und was wird wann geliefert?

Auf Teams, die in Jira arbeiten kann das Druck ausüben. Sie beginnen, zukünftige Arbeit in Epics, Issues, Schätzungen und Zeitpläne zu zerlegen, noch bevor entschieden wurde, ob die InitiativeInitiativeSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. überhaupt umgesetzt wird.

Anstatt der Führungsebene also eine echte Entscheidungsgrundlage zu liefern, investieren diese Teams Zeit in die Planung von Aufgaben, die sich später noch verändern, verschieben oder komplett wegfallen können.

Jira-Details haben ihren Platz aber nicht in der Portfolioplanung

Jira ist für die Umsetzung von Aufgaben gemacht. Es ist hervorragend dafür geeignet, Arbeitsschritte herunterzubrechen, Fortschritte zu verfolgen, Sprints zu planen und die operative Umsetzung zu steuern. Genau dafür brauchen Teams Detailtiefe.

Zum Problem wird diese Detailtiefe allerdings, wenn sie auf der Portfolioebene gefordert wird. Denn dort geht es weder um Mikromanagement oder die Definition einzelner Tasks, sondern um die großen Fragen:

  • Gehört diese InitiativeInitiativeSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. überhaupt ins Portfolio?
  • Wann soll sie umgesetzt werden?
  • Welche Teams oder Rollen werden dafür benötigt?

Um diese strategischen Entscheidungen zu treffen reicht eine grobe Skizze des Projektes vollkommen aus: eine High-Level-Schätzung des Aufwands, ein voraussichtlicher Zeitrahmen sowie die wichtigsten Abhängigkeiten und beteiligten Teams.

Wenn schon an dieser Stelle zu viele Details verlangt werden, können Teams zwar Antworten liefern, diese basieren zwangsläufig auf Annahmen. Werden solche Pläne anschließend in eine detaillierte Projektplanung überführt, entsteht eine gefährliche Scheingenauigkeit.

Projekte die mithilfe von Post-its organisiert werden

Die versteckten Kosten verfrühter Details

Die Zeit, die es für die Erstellung des Plans braucht, ist nur ein Teil der Kosten verfrühter Detailplanung. Die eigentlichen Kosten entstehen durch die gebundene Energie im Unternehmen. Denn sobald Deadlines ins Wanken geraten, verfallen viele Unternehmen in alte Muster und fordern noch mehr Details. Alles in der Hoffnung, den Plan durch die schiere Menge an Daten stabiler wirken zu lassen.

Ist das Fundament jedoch unsicher, werden auch diese neuen Detailpläne schnell obsolet. Teams unterbrechen ihre produktive Arbeit, um hypothetische ZukunftsszenarienZukunftsszenarienSynonym für → SzenarioSzenarien im Projektportfoliomanagement (PPM) sind hypothetische Modelle, mit denen man die Auswirkungen verschiedener Entscheidungen oder Faktoren auf ein Projektportfolio durchspielt. zu schätzen. Product Owner pflegen Backlogs für InitiativenInitiativenSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst., die vielleicht nie umgesetzt werden. Portfolioverantwortliche sammeln Informationen, die schon beim nächsten Review veraltet sind.

Am Ende steht ein Plan, der zwar präzise aussieht, aber keine Antwort auf die wirklich entscheidende Frage liefert: Sollten wir diese Initiative überhaupt umsetzen?

Gefährlich wird es, wenn Details eine schwache Entscheidung rechtfertigen. Eine vage Idee wirkt plötzlich wie eine beschlossene Sache und unsichere Pläne wie verbindliche Zusagen.

Ändern sich dann Prioritäten oder Kapazitäten, bricht das gesamte Kartenhaus zusammen. Teams müssen erklären, warum ihre Schätzungen nicht stimmen und die Portfoliosicht muss neu aufgebaut werden. Passiert das regelmäßig, geht mit jeder Iteration ein Stück Vertrauen in den Planungsprozess verloren.

Warum dieses Problem vor allem in Jira-Umgebungen auftritt

In Unternehmen, die Arbeit mit Jira planen, tritt dieses Muster besonders häufig auf. Das liegt allerdings nicht an Jira selbst, sondern an der Fülle an operativen Daten, die das Tool bereitstellt.

Sucht das Management nach Antworten, wird häufig auf das System zurückgegriffen, in dem die Arbeit organisiert ist. Mithilfe der Datenvielfalt in Jira soll so auch die PortfolioplanungPortfolioplanungPortfolioplanung ist der Prozess, bei dem Unternehmen entscheiden, welche Projekte sie durchführen wollen. Dabei wird sichergestellt, dass diese Projekte zu den Zielen des Unternehmens passen und die verfügbaren Ressourcen wie… erleichtert werden. Doch genau hier liegt das Problem: Portfolioplanung und Projektumsetzung sind zwei komplett unterschiedliche Disziplinen.

Jira-Boards zeigen, woran Teams aktuell arbeiten: Fortschritt, Backlogs, Sprints und Status. Was sie nicht beantworten, ist die zentrale Frage, die sich im Portfolioprozess stellt: Ist diese InitiativeInitiativeSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. überhaupt reif für eine detaillierte Planung?

Die Beantwortung dieser Frage wird noch komplexer, wenn Teams in einer Multi-Toollandschaft arbeiten und neben Jira auch auf Tools wie Smartsheet, Excel oder Asana zurückgreifen. Von all diesen Teams den gleichen, Jira-typischen Detailgrad einzufordern, erzeugt enormen Aufwand, ohne dass die Qualität der Portfolioentscheidungen verbessert wird.

Mehr Details führen also nicht grundsätzlich zu besseren Entscheidungen, sondern oft nur zu höherem Pflegeaufwand.

Die entscheidende Frage: Welches Detaillevel für welche Entscheidung?

Statt zu fragen „Wie detailliert können wir das planen?“, sollte die Frage eher lauten: „Wie viel Details brauchen wir für die Entscheidung, die jetzt vor uns liegt?“
Eine gestufte Vorgehensweise ordnet jeder Phase die passende Detailtiefe zu:

  • Frühe Portfolioentscheidungen: Fokus auf strategischen Fit, grobe Zeitrahmen, benötigte Kapazitäten und zentrale Abhängigkeiten
  • Commitment: Vertiefte Prüfung von Kapazitätskonflikten, Priorisierung und Trade-offs
  • Aktive Umsetzung: Erst hier kommt Jira ins Spiel. Ein detaillierter Plan ist sinnvoll, da die Arbeit vom Portfolio in die Umsetzung übergeht

Wird die Planungstiefe an die Gewissheit eines Projektes gekoppelt, bleiben frühe Ideen bewusst schlank. Detailarbeit fließt damit nur in die InitiativenInitiativenSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst., die tatsächlich umgesetzt werden.

JIRA Gemeinsam planen

Wie das in der Praxis aussieht

In der Praxis startet PortfolioplanungPortfolioplanungPortfolioplanung ist der Prozess, bei dem Unternehmen entscheiden, welche Projekte sie durchführen wollen. Dabei wird sichergestellt, dass diese Projekte zu den Zielen des Unternehmens passen und die verfügbaren Ressourcen wie… bewusst auf einem groben Level. Eine InitiativeInitiativeSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. wird zunächst mit Ziel, erwartetem Nutzen, beteiligten Teams, einem groben Zeithorizont und ersten Kapazitätseinschätzungen beschrieben. Dieses Detaillevel reicht aus, um Initiativen miteinander zu vergleichen und zu entscheiden, welche weiterverfolgt werden sollen.

Erst wenn eine Initiative in die nächste Phase übergeht, wird die Planung schrittweise verfeinert. Teams konkretisieren Schätzungen und identifizieren Abhängigkeiten. Die Umsetzung wird aber erst nach dem finalen „Go“ auf die Story- und Task-Ebene in Jira heruntergebrochen.

So entsteht einerseits eine klare Trennung zwischen Portfolioentscheidung und Umsetzung. Gleichzeitig erhalten Führungskräfte genau die Informationen, die sie für Entscheidungen brauchen, ohne dass Teams zu früh in der Detailplanung gebunden sind.

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