Falls Sie den ersten Beitrag dieser Serie noch nicht kennen, können Sie ihn hier nachlesen. Darin befassen wir uns mit der Frage, warum Daten aus dem Reporting allein nicht ausreichen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.
In unserem zweiten Beitrag legen wir den Fokus nun auf die nächste Herausforderung: Priorisierung ohne Kapazität.
In den meisten Unternehmen gehört Priorisierung ganz selbstverständlich zur Projektplanung dazu. InitiativenInitiativenSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. werden bewertet, klassifiziert und mit Labels, wie „wichtig“, „dringend“ oder „Must Have“ versehen. Häufig kommen dafür strukturierte Auswahlverfahren oder Bewertungsmodelle zum Einsatz, um Entscheidungen objektiver zu gestalten. Wenn die so erarbeiteten Prioritäten jedoch nicht mit den tatsächlichen Kapazitäten der Teams übereinstimmen, bleiben sie nur begrenzt aussagefähig. Sie zeigen nämlich vor allem, was umgesetzt werden soll und nicht, was wirklich umgesetzt werden kann.
Priorisieren ist nicht gleich Planen
Oft scheint die Priorisierung der schwierigste Teil der Planung zu sein. Schließlich ist es nicht einfach, sich mit Führungskräften auf gemeinsame Prioritäten zu einigen. Dabei müssen konkurrierende Ziele, Verpflichtungen gegenüber Kunden, interne InitiativenInitiativenSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst., Produktbedarfe, Budgetbeschränkungen und zahlreiche Meinungen in Einklang gebracht werden.
Wenn eine Initiative dann als oberste Priorität eingestuft wurde, kann es sich so anfühlen, als sei die Entscheidung zugunsten des Projekts bereits gefallen. Dabei ist Priorisierung noch lange nicht alles. Viel wichtiger ist die Frage, ob sich das Vorhaben auch umsetzen lässt – und das hängt einzig und allein von der verfügbaren Kapazität ab.
Denn ohne Kapazitäten wird auch die höchste Priorität nur zu einem weiteren Label. Und leider schaffen Labels weder zusätzliche MitarbeitendeMitarbeitendeSynonym für → RessourceRessourcen sind alle materiellen und immateriellen Mittel, die zur Erreichung eines Ziels benötigt werden. Die wichtigste Ressource: natürlich die Mitarbeiter!, noch beseitigen sie bestehende Verpflichtungen oder lösen Engpässe.

Wo Jira-Daten sinnvoll sind und wo nicht
Arbeiten Ihre Teams in Jira, stehen Ihnen zahlreiche wertvolle Informationen zur Umsetzung von Projekten zur Verfügung. Sie sehen Epics, Tickets, Sprints, Abhängigkeiten sowie den Status und die Fortschritte innerhalb einzelner Teams oder Boards. Das schafft hervorragende Transparenz – allerdings nur auf Teamebene.
Bei der Priorisierung auf Portfolioebene ist jedoch nicht entscheidend, wie die Arbeit in Jira voranschreitet. Vielmehr geht es darum, ob die richtigen Aufgaben vorangetrieben werden, ob das Unternehmen zusätzliche Vorhaben tragen kann und welche Änderungen notwendig sind, wenn sich Prioritäten verschieben.
Dieser notwendige Gesamtüberblick geht schnell verloren, wenn Jira nur einen Teil der Realität abbildet. Beispielsweise, wenn nur Produkt- oder Entwicklungsteams in Jira planen, während Marketing, Operations oder die IT auf Smartsheet, MS Planner, Asana oder Excel-Tabellen setzen. Für die jeweiligen Teams ist die eigene Arbeit zwar sichtbar, die Gesamtkapazität über das Portfolio hinweg bleibt jedoch eine Blackbox.
Das kann zu einem wiederkehrenden Muster führen: Neue, wichtige InitiativenInitiativenSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. werden genehmigt und erst danach wird die Frage gestellt: „Wer hat eigentlich Kapazitäten, um das Thema zu übernehmen?” Wenn die Antwort „niemand“ lautet, hilft auch die beste Prioritätenliste nicht weiter.
Wenn alles Priorität hat,
hat nichts Priorität
Ohne eine Verknüpfung von Prioritäten und tatsächlicher Kapazität müssen die Teams den unvermeidbaren Konflikt abfangen. Sie arbeiten an bereits genehmigten Themen, versuchen gleichzeitig, neue Anforderungen voranzutreiben, reagieren auf Druck aus dem Management und treffen im Hintergrund laufend Abwägungen. Oft geschieht dies, ohne dass auf Portfolioebene Entscheidungen darüber getroffen werden, was vorangetrieben, zurückgestellt oder gestoppt werden soll.
Genau an dieser Stelle verliert der Begriff „höchste Priorität“ seine Bedeutung. Wenn fünf ProjekteProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. gleichzeitig oberste Priorität haben und für deren Umsetzung dieselben RessourcenRessourceRessourcen sind alle materiellen und immateriellen Mittel, die zur Erreichung eines Ziels benötigt werden. Die wichtigste Ressource: natürlich die Mitarbeiter! benötigt werden, wurde nicht priorisiert, sondern das System überlastet.
Die Folgen sind vorhersehbar:
- der Fortschritt verlangsamt sich
- Deadlines werden verschoben
- Teams wechseln ständig zwischen Aufgaben umher
- Führungskräfte fordern häufiger status-Updates und zusätzliche Reports ein
Doch das zugrundeliegende Problem bleibt unverändert. Die Planung passt schlicht nicht zur verfügbaren Kapazität.
Die Frage nach der tatsächlichen Kapazität
Priorisierung muss über das reine Erstellen einer Rangliste hinausgehen. Entscheidend ist nicht nur, was wichtig ist, sondern auch, was unter Berücksichtigung der real verfügbaren RessourcenRessourceRessourcen sind alle materiellen und immateriellen Mittel, die zur Erreichung eines Ziels benötigt werden. Die wichtigste Ressource: natürlich die Mitarbeiter!, innerhalb des angestrebten Zeitrahmens und mit den bestehenden Kapazitäten machbar ist.
Bevor Sie neue InitiativenInitiativenSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. freigeben, sollten Sie deshalb prüfen, ob die Priorität realistisch umsetzbar ist. Dafür reicht es nicht aus, allein die Bedeutung einer Initiative zu betrachten. Entscheidend ist, ob die dafür benötigten Rollen, Personen und Teams realistisch verfügbar sind.
Auf der Portfolioebene benötigen Sie dafür keine perfekten Schätzungen, es reichen schon grobe Daten, um die Machbarkeit beurteilen zu können.
Priorisierung schafft Fokus, nicht noch mehr Überlastung
Der eigentliche Sinn der Priorisierung besteht darin, den Fokus auf die wichtigsten Aufgaben und ProjekteProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. zu legen. In der Praxis bedeutet das, klare Entscheidungen darüber zu treffen, was umgesetzt werden soll, was warten muss und für was keine Kapazitäten mehr aufgewendet werden. Das kann auch bedeuten, wertvolle Initiativen bewusst zurückzustellen, weil die Kapazitäten dafür fehlen. Genau das macht Priorisierung wirksam und belastbar.
Geschieht dies nicht, wird jede neue Priorität einfach auf die bestehende Arbeit aufaddiert. Dadurch verlagert sich die Last von der Führungsebene auf die Teams, die am Ende mehr leisten müssen, als operativ möglich ist.
Wie das in der Praxis aussieht
In der Praxis bedeutet kapazitätsorientierte Priorisierung, dass jede Priorisierungsentscheidung eine Machbarkeitsprüfung beinhalten muss, bevor eine verbindliche Zusage getroffen werden kann. Dabei zählt nicht nur die Frage: „Ist das wichtig?“ sondern auch „Können wir das tatsächlich umsetzen und was bedeutet diese Entscheidung für andere Vorhaben?“
Für Teams, die mit Jira arbeiten, kann das bedeuten, geplante Epics oder InitiativenInitiativenSynonym für → ProjektEin Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Zielen und Ressourcen, das einmalige Ergebnisse liefert und oft komplexe Aufgaben umfasst. mit den benötigten Personen und Rollen zu verknüpfen. Für Teams, die außerhalb von Jira arbeiten, ist es hingegen wichtig, die Projekte und Kapazitäten in einer gemeinsamen Portfolioansicht zu integrieren, damit Entscheidung wirklich auf vollständigen Daten getroffen werden.
So werden neue Anfrage nicht mehr isoliert, sondern im Kontext des gesamten Portfolios bewertet. Dabei werden aktuelle Verpflichtungen, ausgelastete Teams, zeitliche Rahmenbedingungen und die tatsächlich vorhandene Flexibilität beurteilt.
Das heißt nicht, dass Ausnahmen nicht mehr möglich sind: Sie können sich weiterhin dafür entscheiden, dringende Projekte anzunehmen und Pläne zu durchbrechen. Aber Sie treffen diese Entscheidung mit einem klareren Blick auf die Konsequenzen, erkennen die Trade-offs und können transparent begründen, warum eine Entscheidung besser ist als die andere.
Ein funktionierender Portfolioprozess verbindet Prioritäten von Anfang an mit Kapazitäten. Statt nur zu bewerten, was wichtig ist, entscheiden Sie, was unter realen Bedingungen umsetzbar ist. Erst dadurch werden Prioritäten zu echten Portfolioentscheidungen.
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Der beschriebene Prozess ist nur eines von fünf Mustern, die Portfolioentscheidungen unnötig erschweren.
In unserem Whitepaper „Raus aus der Abwärtsspirale der reaktiven PortfolioplanungPortfolioplanungPortfolioplanung ist der Prozess, bei dem Unternehmen entscheiden, welche Projekte sie durchführen wollen. Dabei wird sichergestellt, dass diese Projekte zu den Zielen des Unternehmens passen und die verfügbaren Ressourcen wie…“ zeigen wir Ihnen:
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