Bevor wir die gängigsten Fehler im Angesicht eines Abschwungs besprechen, hier ein Hinweis: Allen hier aufgezählten Fehlern liegt meist ein und dieselbe Ursache zugrunde. Frei nach dem Motto „Angst essen Seele auf“ geben Verantwortliche beim Einsetzen eines wirtschaftlichen Abschwungs zunehmend ihren Ängsten nach. Sie verfallen in panischen Aktionismus, der am Ende (in bester Tradition der selbsterfüllenden Prophezeiung) den Schaden erst auslöst, den sie zu verhindern suchen.

Tragen Sie während eines Abschwungs Verantwortung, gilt es daher zunächst, den Unterschied zwischen einer von tatsächlichen Sachzwängen getriebenen Entscheidung und eines Angst-getriebenen Furchtreflexes zu erlernen. Dies ist eine schwere Aufgabe, bei der jeder für sich herausfinden muss, wie er sie am besten bewältigt. Unsere Top 5 kann dabei hilfreich sein. Wenn Sie bemerken, dass Sie im Begriff sind, einen dieser Fehler zu begehen, liegt die Vermutung nahe, dass Sie gerade eher aus Unsicherheit heraus handeln. Das ist ein guter Anlass, sich selbst zu prüfen.

Genug der Vorrede, hier ist unsere Top 5 der Fehler bei einem wirtschaftlichen Abschwung.

1. Einschnitte beim Marketing veranlassen

Der Abschwung beginnt. Die Umsatzprognosen sinken. Die Kosten müssen runter. Nur, wo sparen? Wenn der Druck zu sparen steigt, gehört die Marketingabteilung oft zu den ersten, die den Rotstift zu spüren bekommt. Natürlich ergibt es Sinn, die aktuellen Maßnahmen zu hinterfragen. Führen Sie sich aber dennoch vor Augen, dass gutes Marketing vermutlich ein wichtiger Baustein Ihres Erfolgs sein wird. Gerade, wenn der Markt in einer Rezession härter wird, kann es der falsche Zug sein, das Feld Ihren Mitbewerbern zu überlassen. Was, wenn einige Ihrer Mitbewerber die Sache genau anders herum angehen? Die allgemeine Nachfrage geht zurück und potentielle Kunden kommen dauernd und ständig mit dem Marketing Ihrer Mitbewerber in Kontakt, während Ihre Außenwirkung nachlässt. Das klingt nicht nach einem Erfolgsrezept. Anders gesagt: Wenn der Kuchen kleiner wird, wird härter darum gekämpft. Ist jetzt wirklich der Zeitpunkt, um Energie zu sparen?

2. Innovation ersticken

Angst lähmt und führt zu krampfhafter Risikovermeidung. Statt innovative Ideen aufzugreifen und weiterzuentwickeln, setzt das Management während eines Abschwungs oft auf Altbewährtes. Das, was bisher funktioniert hat, soll das Unternehmen durch die Rezession bringen. Keine Experimente. Die Risiken, die mit jeder Chance einhergehen, erscheinen als Untergangsszenarien. Eine solche Grundhaltung kann das Klima im Unternehmen regelrecht vergiften. Jeder macht Dienst nach Vorschrift. Ideen werden nicht einmal mehr vorgetragen. Das Unternehmen wird konservativ statt innovativ. Zwar wird so vermieden, Geld in fruchtlose Bemühungen zu stecken, aber die Fähigkeit, Ideen zu entwickeln und umzusetzen, ist gerade in einer Rezession von großer Bedeutung. Wenn der Markt sich tatsächlich so stark zusammenzieht, dass einige etablierte „Player“ verschwinden, trifft es vermutlich eher die inflexiblen, handlungsunfähigen Unternehmen, die an Konzepten aus besseren Zeiten festhalten – während die Unternehmen überleben, die sich eine gewisse Flexibilität und Risikobereitschaft erhalten haben. Außerdem ist die Fähigkeit, Innovationen hervorzubringen, nichts, das ein Unternehmen einfach mal so aus- und einschalten kann. Lassen Sie zu, dass die Innovationsfreude Ihres Unternehmens während eines Abschwungs verkümmert, sind Sie eventuell schlecht darauf vorbereitet, wenn sich die konjunkturelle Lage wieder bessert.

3. Nicht ausreichend mit Mitarbeitern kommunizieren

Typische Fehler bei einem Abschwung

Rezessionen lösen Ängste aus – beim Management aber auch bei den Mitarbeitern. Das kann schnell zu einer sehr angespannten Stimmung führen. Wir empfehlen, offen mit den Mitarbeitern zu kommunizieren. Wenn es nicht gut läuft, spricht es sich herum. Versucht das Management dann Schieflagen und Probleme zu kaschieren, wird wichtiges Vertrauen verspielt – und das zu einem Zeitpunkt, zu dem das Unternehmen mehr denn je auf seine Mitarbeiter angewiesen ist. Die Angst vor Kündigung geht um, das Management wird als unehrlich und/oder inkompetent wahrgenommen. Die Motivation und Produktivität sinken. Hochqualifizierte Mitarbeiter fangen an, über Alternativen nachzudenken. Ist die Stimmung einmal so tief gesunken, lässt sich das nur schwer beheben – insbesondere während einer Rezession, die potentiell Opfer von allen verlangen wird. Es ist besser, von Anfang an offen und ehrlich mit den Mitarbeitern zu kommunizieren und diese, wo möglich, an der Lösungsfindung zu beteiligen.

4. Schlüsselressourcen kündigen und Neueinstellungen stoppen

In vielen Unternehmen gehört das Personal zu den kostenintensivsten Posten. Noch dazu ist es oft einfacher, Personal einzustellen als es wieder zu entlassen. Setzt ein wirtschaftlicher Abschwung ein, wirken die aufsummierten Personalkosten schnell erschreckend. Daher gehören Personalabbau und Einstellungsstopps zu den häufig eingesetzten Mitteln, mit denen Kosten gespart werden sollen. Natürlich sind solche Einschnitte manchmal unvermeidlich, aber sie sollten zu den letzten Mitteln gehören, zu denen Sie greifen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen haben diese Maßnahmen potentiell extrem negative Auswirkungen auf die Mitarbeitermoral – dies ist ein Nachteil, der sich nicht immer einfach in Geldbeträgen quantifizieren lässt, aber einen immensen Unterschied machen kann. Zum anderen müssen Unternehmen vorsichtig sein, nicht aus Versehen wichtige Schlüsselkompetenzen zu verlieren oder Opportunities nicht wahrnehmen zu können, weil die nötigen Kapazitäten fehlen. Am Personal zu sparen ermöglicht gegebenenfalls erhebliche Einsparungen, sie beschneiden aber auch die Möglichkeiten, die Ihr Unternehmen hat. Gleichzeitig ist es in einer Phase des Abschwungs umso wichtiger, die Mitarbeiter, die Sie haben, sinnvoll einzusetzen. Stellen Sie mit Lean PPM sicher, dass Sie an den werthaltigsten Projekten arbeiten.

5. Sich von medial vermittelten Katastrophenszenarien beeinflussen lassen

Medien wetteifern um Aufmerksamkeit. Und nichts zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich, als ein glaubwürdiges Katastrophenszenario. Dieses verbindet sich dann mit unserem Hang, aktuelle Tendenzen in die Zukunft zu denken, und schon begeben wir uns auf eine imaginäre Reise, den Slippery Slope hinab ins Land der Weltwirtschaftskrise. Zum Ende der Zivilisation. Hinzu kommt, dass Berichterstattung über den Abschwung ein ähnliches Bedürfnis bedient wie Horrorfilme. Sie bedient unsere Lust am Gruseln und unsere Faszination für Abgründe. Wenn es Ihre Aufgabe ist, einen Leitartikel für eine Onlinezeitung zu schreiben, sind ein bisschen Doom & Gloom also durchaus angesagt. Wenn Sie die Verantwortung für ein Unternehmen tragen, ist es hingegen wichtig, die allgegenwärtigen Kassandragesänge auszublenden. Bewahren sie sich eine optimistische Grundeinstellung. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Unternehmen flexibel genug bleibt, neue Möglichkeiten zu erkennen und wahrzunehmen. Führen Sie sich vor Augen, dass 60 % der Fortune 500 Unternehmen während eines Abschwungs gegründet wurden. Bleiben sie aktiv und bereit, auch mal ein Risiko einzugehen.

Noch ein Tipp: Während eines Abschwungs die Ruhe zu bewahren und die eigene Handlungsfähigkeit zu bewahren fällt erheblich leichter, wenn das eigene Unternehmen ausreichend auf schlechtere Zeiten vorbereitet ist. Einige wichtige Tipps hierzu finden Sie in unsere Artikel „Rezession – Gutes Management ist die beste Vorbereitung“.

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