Haben Sie es auch schon bemerkt? Das R-Wort geht wieder um. Ob beim täglichen Genuss der Onlinezeitung, in den Abendnachrichten oder beim Geschäftsessen. Rezession ist Thema. Und nicht nur das: Alle sind sich einig. Die nächste Rezession kommt bestimmt. Bald. Die Notenbanken haben fast keinen Spielraum mehr bei ihrer Geldpolitik. Chinas Wachstumspotenzial ist so gut wie erschöpft. Die Schuldenkrise im Euroraum ist nur verschoben, aber die Zeitbomben ticken. Das iPhone ist nicht mehr, was es mal war. Trump. Brexit.

Mit Projektportfoliomanagement gewappnet für die Rezession sein

Aber wir wollen hier gar nicht tiefer in die Gründe für die nächste Rezession einsteigen. Wir wollen auch keine Fragen beantworten wie „Kann es ewiges Wachstum geben?“ oder „Wem sollten die Produktionsmittel gehören?“. Uns genügt es zu akzeptieren, dass es kein ewiges Wachstum gibt. Irgendwann geht es immer zurück. Nach der Rezession ist vor der Rezession. Für jeden, der die Verantwortung für ein Unternehmen trägt, ergibt sich daraus die Frage, wie man ein dieses am besten auf die nächste Rezession vorbereitet. Und auf diese Frage haben wir fünf gute Antworten – und eine gute Nachricht: Was Sie tun müssen, um Ihr Unternehmen auf die nächste Rezession vorzubereiten, fällt so oder so unter gutes Management. Die zu erbringenden Opfer für gute Vorbereitung halten sich also in Grenzen.

Und das sind die fünf Schritte, die wir uns genauer anschauen:

  • Schritt 1: Erstklassiges PPM einführen
  • Schritt 2: Rücklagen bilden
  • Schritt 3: Dienstleister und Zulieferer diversifizieren
  • Schritt 4: Kunden und Portfolio diversifizieren
  • Schritt 5: Neue Finanzierungsmöglichkeiten erschließen

Schritt 1: Erstklassiges PPM einführen

Mit gutem PPM konzentriert Ihr Unternehmen seine Ressourcen auf die werthaltigsten Projekte, bzw. auf die Projekte, die am besten auf die strategischen Ziele des Unternehmens einzahlen. Das ist zu jeder Zeit eine wichtige Fähigkeit für jedes Unternehmen – aber wenn es wirklich zu einer Rezession kommt, kann ein gutes PPM den Ausschlag für den Fortbestand des Unternehmens geben. Rezession bedeutet, es gibt weniger Ressourcen, die verteilt werden können. In wirtschaftlichen Hochzeiten kann ein Unternehmen vielleicht mit einem gewissen Schwund umgehen. Wenn es eng wird, kommt es darauf an aus allem das meiste rauszuholen.

Die Einführung von gutem PPM ist oft erheblich leichter und bringt schneller Gewinn als man denken würde – dennoch empfehlen wir, damit jetzt zu beginnen, nicht erst, wenn Sie den Gürtel enger schnallen müssen. Mit PPM ist es wie mit allen anderen Sachen auch: Durch Übung wird man besser. Außerdem unterstützt Sie ein erfolgreiches PPM bei der schnellen Anpassung an die neue Situation, wenn die nächste Rezession beginnt. Wenn sich die nächste Rezession immer deutlicher abzeichnet, wollen Sie Ihre strategische Projektbewertung anpassen und direkt Auswirkungen auf die Portfolioentscheidungen und das Ressourcenmanagement des Unternehmens sehen. Was Sie nicht wollen, ist die ersten drei Monate der Rezession damit zu verbringen, ein PPM einzurichten.

Als Landwirt profitieren Sie auch immer von gutem Wassermanagement, aber wenn eine Dürre kommt, ist es ausschlaggebend. Genau so ist es auch mit PPM.

Schritt 2: Rücklagen bilden

Für die meisten Unternehmen bedeutet Rezession rückläufige Aufträge und verminderte Einnahmen (Ausnahmen sind beispielsweise Anwälte mit Spezialisierung auf Themen wie Inkasso und Insolvenz). Leider kostet die eigene Infrastruktur nicht plötzlich weniger, nur, weil man jetzt weniger verdient. Unternehmen, die in wirtschaftlich schlechten Zeiten nichts zuschießen können, sind immer akut existenzgefährdet. Wir empfehlen, entweder drei oder sechs Monatsumsätze in relativ liquider Form beiseite zu legen – je nachdem, wie empfindlich Ihre Branche auf eine Rezession reagiert. Nehmen Sie im Zweifelsfall sechs Monate. Mit Personal, das sie in einer Rezession entlassen, verlieren Sie immer auch Know-how, das Sie nur schwer zurückbekommen (ganz zu schweigen vom Schaden an der Mitarbeitermoral). Und Assets, die Sie in einer Notlage abstoßen, bringen meist nicht den vollen Preis. Natürlich kann es in schlechten Zeiten sein, dass Sie trotz Rücklagen die Struktur des Unternehmens zurückfahren müssen, aber mit drei bis sechs Monaten auf der sprichwörtlichen hohen Kante ist es leichter, unnötige Schäden zu vermeiden. Und zumindest ist nicht Ihre mangelnde Vorbereitung dafür verantwortlich.

Wenn es Ihrem Unternehmen nicht gelingt, systematisch Rücklagen anzulegen, ist dies übrigens ein gutes Warnzeichen dafür, dass Sie nicht bereit für eine Rezession sind. Kann auf keinen Teil des Umsatzes zugunsten von Rücklagen verzichtet werden, bedeutet das, dass jeder Rückgang der Umsätze sofort zu ernsten Problemen führt. Natürlich könnte es sein, dass Sie sich aus strategischen Gründen dagegen entscheiden, gerade jetzt Rücklagen zu bilden – beispielsweise, weil Sie mit Ihrer innovativen Geschäftsidee kurz davor stehen einen völlig neuen Markt zu dominieren und jeden Cent ins Marketing stecken – aber das ist etwas Anderes als „keine Rücklagen bilden zu können“.

Neben dem einfachen Vorteil, vorerst liquide zu bleiben, haben Rücklagen beim Einsetzen einer Rezession einen weiteren wichtigen Vorteil: Sie können erstmal die Ruhe bewahren. Sie können sich Zeit lassen und ohne Druck fundierte Entscheidungen treffen, die der Situation angemessen sind. Auch wenn dieser Vorteil nur schwer zu quantifizieren ist, kann er gar nicht überschätzt werden. Nicht ist schlimmer in einer Krise, als wenn alle Entscheider erstmal die Krise kriegen.

Schritt 3: Dienstleister und Zulieferer diversifizieren

Es ist Rezession, aber Hans-Peter, Ihr Vertriebsmonster, hat es wieder geschafft: Eine Modellbaufirma will 5.000 Ihrer Miniaturmotoren. Quartal gerettet. Leider ist Rezession und Ihr Zulieferer für Baugruppe 27zhf_a ist letzte Woche in Konkurs gegangen. Sie können die Motoren nicht bauen.

Klar, kein Unternehmen sollte sich jemals so abhängig von einem einzigen Zulieferer machen. Deshalb haben wir ja eingangs festgehalten, dass unsere Empfehlungen für die Rezessionsvorbereitung so oder so unter gutes Management fallen. Dennoch, setzen Sie sich einmal mit Ihrem Einkauf hin und prüfen die Struktur Ihrer Zulieferer und Dienstleister. Welche davon scheinen besonders anfällig für eine Rezession? Wie sehr sind Sie auf diese angewiesen? Hätten Sie Ersatz? Machen Sie Pläne, seien Sie vorbereitet.

Schritt 4: Kunden und Portfolio diversifizieren

Auch hier: Ein gesundes Unternehmen ist nicht von einem oder wenigen Kunden abhängig. Sollte dies aber doch so sein, kann Sie dies in einer Rezession besonders hart treffen. Ähnlich wie bei den Zulieferern und Lieferanten empfehlen wir, sich einmal in Ruhe hinzusetzen und zu bewerten, wie anfällig welche ihrer Kunden für eine Rezession sind. Das zeigt Ihnen Ihr eigenes Risiko wie keine andere Analyse. Ist Ihre Kundenbasis sehr anfällig, kann es ein wichtiges strategisches Ziel für Ihr Unternehmen sein, diese so zu erweitern, dass sie unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen wird. Sollte Ihr Risiko stark an Ihre Branche gebunden sein, kann dies sogar dazu führen, dass Sie entscheiden, gezielt in neue Geschäftsbereiche zu expandieren, die weniger anfällig sind.

Kunden und Portfolio diversifizieren um sich auf die nächste Rezession vorzubereiten

Dies bringt uns auch zurück zur Einführung eines PPM. Die effektive Umsetzung solcher strategischen Neuausrichtungen ist eine der Kernaufgaben des PPM. Setzen Sie sich das Ziel „Wir gestalten unsere Kundenbasis sicherer gegen eine Rezession”, besteht die Gefahr, dass diese Absichtserklärung eine solche bleibt. PPM stellt sicher, dass dieses Ziel schon bei der Bewertung neuer Projektvorhaben immer mitbedacht wird.

Schritt 5: Neue Finanzierungsmöglichkeiten erschließen

Liquidität. Am Ende entscheidet die Liquidität, wer gut durch eine Rezession kommt und wer nicht. Deswegen steht unsere Empfehlung, Rücklagen zu bilden, auch auf Platz zwei dieser Liste. Aber Rücklagen alleine sind nicht die einzige Quelle von Liquidität – und nicht immer genug. Eine wichtige Möglichkeit, Liquiditätsengpässe zu überbrücken oder Kapital für Investitionen aufzubringen, ist Finanzierung. In Rezessionen kann es jedoch schwer sein, Fremdkapital zu guten Konditionen zu finden. Wenn es ganz heftig hergeht, hat Ihr übliches Finanzinstitut selbst Schwierigkeiten. Glücklich ist, wer hier bereits auf Partnerschaften mit verschiedenen Finanzierungsgebern und einige Jahre aufgebautes Vertrauen setzen kann. Nicht auf einen einzigen Partner angewiesen zu sein, sondern bei Bedarf eine Alternative zu haben, stärkt zudem den Rücken, wenn die Details ausgehandelt werden.

Gehen sie also bei der Finanzierung Ihrer heutigen Projekte nicht immer nur den einfachen, ausgetretenen Weg. Klar, mit Finanzinstitut X haben Sie Ihr neues Projekt im Handumdrehen zu guten Konditionen finanziert, aber den extra Schritt zu gehen und sich weitere Partner zu suchen, bietet langfristig seine eigenen Vorteile.

Finanzierungsmöglichkeiten erschließen und der Rezession trotzen

Das war’s. Unsere fünf wichtigsten Schritte zur Vorbereitung auf die nächste Rezession. Wie Sie vielleicht gemerkt haben, geht es immer darum, Ihnen Flexibilität und Handlungsspielraum zu erhalten. Immer, außer bei Schritt 1, der Einführung eines PPM. Die Einführung des PPM steht auf Platz 1, nicht nur, weil ihnen das in einer Rezession hilft, sondern auch, weil ein gutes PPM es leichter macht, Schritt 2 bis 5 tatsächlich umzusetzen, statt sie sich nur irgendwie vorzunehmen. Damit kommen wir zu unserer abschließenden Empfehlung: Packen sie es an. Jetzt! Alle empfohlenen Schritte benötigen Zeit und Energie. Und alle sind am effektivsten, wenn Sie sie VOR dem Einsetzen der nächsten Rezession umsetzen und etablieren. Wir wollen nicht in die Kassandrarufe professioneller Weltuntergangspropheten einstimmen, wir wissen nicht, wann die nächste Rezession kommt. Aber wir wissen, dass sie kommt. Wir wissen, dass Sie morgen einen Tag näher ist als heute. Und wir wissen, dass Vorbereitung der Schlüssel dazu ist, gut durch das nächste Negativwachstum zu kommen.

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